Ratgeber

Dach und Solar — So kombinieren Sie Sanierung und Photovoltaik

Wer eine Dachsanierung plant, sollte die Photovoltaik gleich mitdenken. Hier erfahren Sie, wie Sie beide Projekte intelligent verbinden und dabei Kosten sparen.

Kurz gesagt:Die Kombination von Dachsanierung und Solaranlage ist die wirtschaftlichste Lösung — Sie sparen Gerüstkosten, erhalten höhere Fördergelder und vermeiden einen zweiten Baustelleneinsatz. Eine typische 10-kWp-Anlage kostet CHF 18'000.— bis CHF 28'000.— und amortisiert sich in 10 bis 14 Jahren. In-Dach-Systeme ersetzen die Ziegel und vereinen Dachschutz und Stromerzeugung.

Warum Dachsanierung und Solar zusammengehören

Die Schweizer Energiestrategie 2050 setzt stark auf Solarenergie, und das Dach ist der ideale Standort. Bei einer Dachsanierung ist das Gerüst bereits aufgebaut, die Dachfläche offen und der Dachdecker vor Ort — der perfekte Moment, um die Solar-Installation vorzubereiten oder gleich umzusetzen. Die Synergieeffektesind erheblich: Gerüstkosten (CHF 4'000.— bis CHF 8'000.—) fallen nur einmal an. Kabelkanäle, Befestigungspunkte und allfällige statische Verstärkungen lassen sich bei offener Dachkonstruktion für CHF 1'500.— bis CHF 3'500.— einbauen — ein Bruchteil der Nachrüstkosten. Die neue Dachkonstruktion kann auf die zusätzliche Last der Solarmodule (ca. 12–15 kg/m²) ausgelegt werden. Zudem steigert ein Solardach den Immobilienwert um geschätzt 3–5 %. Selbst wenn die PV-Anlage erst in 2–3 Jahren geplant ist, lohnt sich die Vorbereitung bei einer laufenden Sanierung. Die Mehrkosten sind marginal, und Sie vermeiden eine erneute Dachöffnung.

Aufdach- vs. In-Dach-Systeme

Bei Aufdach-Systemenwerden die Solarmodule auf Schienen über der bestehenden Eindeckung montiert. Vorteile: einfache Montage, gute Hinterlüftung der Module (höherer Wirkungsgrad bei Hitze), und die Dacheindeckung bleibt als zweite Schutzschicht erhalten. Kosten: CHF 1'600.— bis CHF 2'200.— pro kWp installiert. Bei In-Dach-Systemen(auch Solardachziegel oder integrierte Systeme) ersetzen die Solarmodule die herkömmliche Dacheindeckung. Sie sind ästhetisch dezenter und besonders bei Neueindeckungen wirtschaftlich, da die Kosten für Ziegel entfallen. Kosten: CHF 2'000.— bis CHF 3'000.— pro kWp. Schweizer Hersteller wie Meyer Burger und 3S Solar Plus sind führend bei In-Dach-Systemen. Der Nachteil: Die Reparatur einzelner Module ist aufwändiger, und die Hinterlüftung ist konstruktionsbedingt geringer. Für denkmalgeschützte Gebäude sind In-Dach-Systeme oft die einzige bewilligungsfähige Option, da sie das Dachbild weniger verändern.

Kosten und Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage

Eine typische Solaranlage für ein Einfamilienhaus hat eine Leistung von 8 bis 12 kWp und kostet CHF 18'000.— bis CHF 28'000.— (Aufdach) bzw. CHF 22'000.— bis CHF 35'000.— (In-Dach). Die Einmalvergütung (EIV)des Bundes beträgt aktuell CHF 350.— Grundbeitrag plus CHF 440.— pro kWp — bei einer 10-kWp-Anlage also rund CHF 4'750.—. Viele Kantone und Gemeinden bieten zusätzliche Förderbeiträge: Im Kanton Zürich bis CHF 1'000.—, in Bern bis CHF 3'000.—. Die jährliche Stromproduktion liegt im Schweizer Mittelland bei rund 950–1'050 kWh pro kWp. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 30–40 % und aktuellen Strompreisen von CHF 0.25 bis CHF 0.35 pro kWh spart eine 10-kWp-Anlage jährlich CHF 1'800.— bis CHF 2'800.—. Die Amortisation erfolgt nach 10 bis 14 Jahren — bei einer Modullebensdauer von 25–30 Jahren eine lohnende Investition. Detaillierte Kostenangaben finden Sie auf unserer Preisseite.

Bewilligungen und Schweizer Vorschriften

Seit der Revision des Raumplanungsgesetzes 2022 sind Solaranlagen auf Dächern in der Schweiz grundsätzlich nur noch meldepflichtig — eine vollständige Baubewilligung ist in den meisten Fällen nicht mehr nötig. Die Meldung erfolgt bei der Gemeinde und ist in 30 Tagen erledigt. Ausnahmen gelten für Gebäude in ISOS-Schutzzonen der Kategorie A und B sowie für Denkmäler — hier braucht es weiterhin eine Bewilligung mit Gestaltungsgutachten. Die technischen Anforderungen regelt die Norm SIA 232/2 (Geneigte Dächer) in Kombination mit den NIV-Vorschriften (Niederspannungsinstallationsverordnung) für den elektrischen Anschluss. Für die Einspeisung ins Netz benötigen Sie einen Netzanschlussvertrag mit Ihrem lokalen Energieversorger. Bei Anlagen über 30 kVA ist zudem eine Genehmigung durch das ESTI (Eidgenössisches Starkstrominspektorat) erforderlich. Unsere Partnerbetriebe arbeiten eng mit Solarinstallateuren zusammen und koordinieren den gesamten Prozess.

Praxistipps für die Kombination Dach und Solar

Planen Sie frühzeitig gemeinsam: Dachdecker und Solarinstallateur sollten von Anfang an zusammenarbeiten, um Schnittstellen sauber zu klären — insbesondere bei In-Dach-Systemen, wo die Solarmodule Teil der Dachkonstruktion sind. Lassen Sie die Statik prüfen: Ein Bauingenieur sollte bestätigen, dass die Dachkonstruktion die zusätzliche Last der Solaranlage trägt. Bei älteren Gebäuden ist gelegentlich eine Verstärkung der Sparren nötig (Kosten: CHF 2'000.— bis CHF 5'000.—). Denken Sie an den Batteriespeicher: Ein Speicher (CHF 8'000.— bis CHF 15'000.— für 8–12 kWh) erhöht den Eigenverbrauch auf 60–80 % und macht Sie unabhängiger vom Stromnetz. Beantragen Sie alle Fördergelder vor Baubeginn — sowohl für die Dachsanierung als auch für die Solaranlage. Und schliesslich: Holen Sie Offerten ein, die beide Gewerke abdecken, um die Koordination zu vereinfachen und mögliche Verantwortungslücken bei Garantiefällen zu vermeiden. Eine umfassende Planung ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Solardach-Projekt.

Häufige Fragen

Grundsätzlich ja, sofern die Statik stimmt und keine übermässige Verschattung vorliegt. Ideale Bedingungen bieten Süd-, Südost- oder Südwestausrichtungen mit 25° bis 35° Neigung. Auch Ost-West-Ausrichtungen liefern noch 85–90 % der maximalen Leistung.